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WVIB Erfahrungsaustausch Chef-Erfa. 35
Villingen-Schwenningen. Mittelstand und Börsengang schließen sich nicht aus. Vielmehr kann ein Going Public auch für ein mittelständisches Unternehmen die optimale Variante zur Wachstumsfinanzierung darstellen. So lautete das Fazit des Vortrages von Gerson Riesle, Vorstandssprecher der InterCard AG Informationssysteme, den er beim Treffen des Wirtschaftsverbandes der industrieller Unternehmen Baden (WviB) hielt.
Mehr als 20 Entscheider und Unternehmenseigentümer waren auf Einladung des Verbandes zum Unternehmertreff nach Schwenningen gekommen, um sich über die Erfahrungen der InterCard AG Informationssysteme vor Ort zu informieren. InterCard ist seit 2006 im Entry Standard der Frankfurter Börse gelistet. Hausbanken seien über viele Jahre hinweg zuverlässiger Partner bei der Finanzierung der Firmen- und Geschäftsentwicklung gewesen, sagte Riesle: "Es bestand ein kooperatives und enges Verhältnis zwischen Firma und den Banken. Banken waren in Angebotsübersichten, Kundenaufträge und Kalkulationen eingebunden."
Nach dem Niedergang des Neuen Marktes sei eine gravierende Veränderung des Verhaltens der Banken zu beobachten gewesen. Zwei Großbanken hätten ohne Angabe von Gründen die Zusammenarbeit beendet. "Unser Firmenwachstum wurde begrenzt – trotz anhaltender positiver Geschäftsentwicklung und innovativer neuer Produkte", so Riesle. InterCard musste sich nach anderen Geldgebern umsehen und fand einen Anker-Investor in der Deutschen Technologie Beteiligungen AG (DeTeBe). "Die DeTeBe war bereits hervorragend in der Financial Community vernetzt und hat uns den Weg zum Börsengang geebnet.", sagte Riesle.
Bei Mittelständlern herrsche eine gewisse Zurückhaltung, wenn es um das Thema Börse geht, hat Riesle in vielen Gesprächen festgestellt: Angst vor dem Verlust der Kontrolle über die Firma, Angst vor Transparenz nach Außen durch Publizitätspflichten für Finanzkennzahlen, Angst vor Kosten, Reglementierungen, Hürden und administrativen Tätigkeiten werden häufig angeführt. Hier sei die Wahl des Börsensegmentes entscheidend. "Für InterCard haben sich alle positiven Erwartungen, die an den Börsengang geknüpft worden waren, erfüllt.", bilanzierte Riesle.
Die als Hinderungsgründe vorgegebenen Regularien könne man auch positiv für die Unternehmenskultur nutzen, befand der Vorstandssprecher: "Durch Publikationspflichten wird die Transparenz nach innen und außen wesentlich verbessert, die Transparenz gegenüber den Kundenwird erhöht und dadurch InterCard als zuverlässiger und solider Partner gestärkt. Schließlich wurde mit dem Börsengang der Zugang zum Kapitalmarkt geöffnet und damit die Möglichkeit geschaffen, weitere Kapitalmaßnahmen durchführen zu können, wenn das Geschäftsmodell nachweislich funktioniert und die Firma solide geführt wird." Hinzu kämen weitere Vorteile: Eigenkapital ist in die Firma geflossen, das Rating bei Banken hat sich wesentlich verbessert, Banken hätten gar zusätzliche Kreditlinien angeboten, Factoring bringe zusätzliche Liquidität ins Unternehmen.
Dem Vortrag von Gerson Riesle schloss sich ein Rundgang durch das Unternehmen an. Dabei erhielten die Teilnehmer einen Einblick in den kompletten Alltag einer Chipkarte und vor allem das breite Anwendungsspektrum, das Kosten senkt, Verwaltung vereinfacht und Sicherheit erhöht.
Rückblick
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